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Pressemitteilung vom 17.3. Kunst- und Meinungsfreiheit verteidigen, unabhängige Jurys schützen!
Das Unbehagen in der Kultur: Theaterschaffende solidarisieren sich mit Buchbranche
Der Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft ist in großer Sorge angesichts der Ereignisse rund um den Deutschen Buchhandlungspreis. Wie in vielen Medien berichtet, ließ Kulturstaatsminister Weimer nach einer Abfrage beim Verfassungsschutz drei bereits für den Preis vorgeschlagene Buchhandlungen von der Liste streichen, ohne transparente Angabe von juristisch nachvollziehbaren Gründen.
Eine Anwendung des sogenannten „Haber-Verfahrens“ auch bei anderen Preisen, Förderinitiativen und gegen zivilgesellschaftliche Akteure steht aktuell im Raum. Nicht ohne Grund warnten schon 2020 die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags vor einem möglichen Einschüchterungseffekt durch das Instrument und stellten dessen Verhältnismäßigkeit in Frage.
Das „Haber-Verfahren“ richtet sich explizit gegen „extremistische und terroristische Organisationen“ und umreißt eine „Strategie ganzheitlicher Bekämpfung“. Weder die inkriminierten Buchhandlungen, noch künftige Antragssteller:innen für Bundesmittel oder Nominierte für Bundespreise sollten flächendeckend einem solchen Verfahren und den damit einhergehenden intransparenten Ablehnungsgründen ausgesetzt sein. Die Aushebelung unabhängiger Juryverfahren öffnet einer Einmischung der Politik in die Freiheit der Kunst Tür und Tor und bedeutet einen potenziellen Vertrauensverlust in das Verhältnis von Kunst und Politik, dessen Schaden kaum absehbar wäre.
Die Dramaturgische Gesellschaft vereint über 800 Theaterschaffende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und setzt sich seit siebzig Jahren für eine offene, vielfältige Gesellschaft ein. Wir treten wie seit 1956 immer auch und gerade in Zeiten des wachsenden Autoritarismus dafür ein, die Grundpfeiler von Demokratie zu verteidigen.
Der Vorstand der Dramaturgischen Gesellschaft, mitunterzeichnet vom Vorstand des Szenografie-Bunds (vertritt 550 Mitglieder) und dem Vorstand des Bundesverband Schauspiel (kurz BFFS), der 4100 Mitglieder vertritt sowie dem Ensemble Netzwerk, dem Regie Netzwerk und dem Dramaturgie Netzwerk.