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Towards a New Understanding of Artist Care / Für ein neues Verständnis von Artist Care
Das kollektiv erstellte Thesenpapier „Towards a New Understanding of Artist Care“ versammelt viele internationale Stimmen: Im Rahmen der Jahreskonferenz der Dramaturgischen Gesellschaft in Hamburg auf Kampnagel im Februar 2026 haben die teilnehmenden Künstler*innen gemeinsam dieses Thesenpapier entwickelt, das Fragen von Care, Zugänglichkeit und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt künstlerischer Arbeit stellt.
Das Papier versteht Artist Care nicht als Zusatzleistung, sondern als grundlegende gesellschaftliche und kulturpolitische Aufgabe. Er verbindet persönliche Perspektiven mit strukturellen Forderungen und entwirft ein Verständnis von Kunstproduktion, das auf Solidarität, Transparenz und kollektiver Verantwortung basiert.
Das folgende Papier ist das Ergebnis eines offenen, kollektiven Prozesses – und zugleich eine Einladung, die Bedingungen künstlerischer Arbeit neu zu denken und aktiv mitzugestalten.
Frage mich, wie ich genannt werden will.
Frage mich, was mir wichtig ist, und warum ich tue, was ich tue.
Frage mich vor welchen Herausforderungen ich stehe.
Frage mich nach meinen Grenzen.
Frage mich, was ich brauche.
Frage mich, was ich geben kann und will.
Artist care means to create and sustain the frameworks that enable artists to work.
Art can transform moments and situations, institutions and societies. It allows us to imagine, try and build alternative worlds.
Ultimately, art can give access to better worlds.
Artist care is about accessibility.
Artist care beruht auf dem gesellschaftlichen Konsens, dass Kunst und Kunstfreiheit allen zugänglich sein sollen. Artist care is about justice and human rights.
If we get what we need, to become artists in the first place, is a matter of care and a matter of politics.
Artist care is political.
Artist care ist mehr als freie Theaterkarten, mehr als Unterkunft und Transport, mehr als Snacks in der Garderobe.
Artist care sollte eine wichtige Perspektive von Kulturförderung sein.
Artist care is a learning process.
Artist care is about aiming at what is not reality, yet.
Artist care is care for everybody involved in the arts and tries to make sure that everybody can be involved.
Artist care It is not about privilege, but about access and freedom of choice.
Artist care ist eine gesellschaftliche Verpflichtung, kein Almosen.
Artist care allows artists to focuss on art.
Künstlerische Arbeit ist Arbeit. Artist Care meint daher immer auch gerechte Bezahlung für alle.
Gagen und Gehälter sollten transparent diskutiert werden, um ggf. auch Umverteilung zu ermöglichen.
Living wage is the minimum of care. Wir wollen mehr als die Honoraruntergrenze verdienen!
Die Politik entscheidet über die Ressourcen, die wir dafür brauchen.
Menschen, die auf Barrieren stoßen, wissen um diese Barrieren.
Menschen in politischen Machtpositionen könnten diese Barrrieren abschaffen. Es gibt viele Barrieren, mit denen die Politik sich selbst im Weg steht. Wir brauchen Menschen mit Barriere-Erfahrung in politischen Machtpositionen!
Ninia LaGrande: ”Das bedingungslose Grundeinkommen ist auch eine Form von Artist Care, – dadurch hätten alle die Möglichkeit, auch künstlerisch zu arbeiten!”
Cultural institutions have the responsibility to put pressure on governmental bodies to increase the state of artist care.
In times of defunding and exclusion art dies quietly.
Autoritäre Regime wissen um die Macht der Theater und der Kultur.
Censorship is exclusion and exclusion can be censorship.
Artist care richtet sich gegen Zensur in all ihren Formen.
Only together we can resist censorship. To create backup systems, we need to join forces.
Artist Care international zu denken, heißt solidarische Netzwerke gegen Defunding und Zensur zu bilden und kritische Künstler*innen besonders zu schützen.
Wie machen wir das?
Sollten große Kulturinstitutionen Kooperationen mit anderen, bedrohten Kulturinstitutionen anstreben, die unter repressiven Regimen arbeiten müssen?
Sollten Kulturschaffende auch transnational in die Vergabe von Fördermitteln mit einbezogen sein?
Wie können wir die Kulturfördermittel selbst vor Übernahmen durch die extreme Rechte schützen?
Wie können wir die Rechtsgrundlagen der Kulturförderung lokal, national und international um- und ausbauen, um Kunst und Kunstfreiheit zu schützen?
Artist care heißt dabei auch von den politischen Bewegungen der Vielen zu lernen: Je hierarchischer unsere Institutionen sind, desto anfälliger sind sie für eine Politik der Härte, desto anfälliger sind sie für Übernahmen von rechts.
Artist care needs collective wisdom, not strong leaders.
Artist care should conceive disability as a tool, not as a topic.
Zugänglichkeit meint nicht nur Kulturveranstaltungen, sondern auch die Institutionen selbst: Wer hat Zugang zu welchen Berufsgruppen und welchen Leitungsstrukturen? Wer ist warum wo nicht beteiligt?
Kulturinstitutionen tragen Verantwortung für ihre Angestellten, aber auch für alle freien Künstler*innen, die zum Programm beitragen.
Kulturinstitutionen müssen mehr als nur ihr eigenes Überleben sichern.
Künstler*innen nehmen enorme Risiken in Kauf: Politische Fragen der Kulturförderung entscheiden immer auch über ihre Biografien und Karrieren.
Artist care meint einen verantwortungsvollen Umgang mit beruflichen Wegen und Biographien.
Entscheidungen über Kulturförderung müssen demokratisch diskutiert und den Kulturschaffenden transparent gemacht werden. Wir wollen wissen: Warum fallen Entscheidungen so und nicht anders? Wofür wird das Geld (stattdessen) ausgegeben?
Auch wenn es keine hundertprozentige Inklusion gibt, so gilt es doch privilegierte Positionen immer weiter zu hinterfragen und herauszufordern.
Und wenn es schwierig wird, sind wir auf dem richtigen Weg.
Artist care means time to care.
Artist care can often start as a form of selfcare that is setting a new example.
Artist care means mutual encouragement: Disabled led art (as well as working class or queer art, etc.) can be large scale and take center stage!
Artist care means to show existing artistic works, not only allow artists to create new work – for more sutainability of the creative process.
Artist Care heißt wechselseitige Fürsorge: Ein inklusives Arbeitsumfeld ist für alle von Vorteil.
Eine Kultur unter Druck ist eine Kultur der Exklusion.
Unbezahlte Arbeit ist ein Privileg. Wer nicht abgesichert ist, kann sich das nicht leisten.
Wenn Arbeitsprozesse hektischer und schneller werden, sind sie für immer weniger Menschen zugänglich. Menschen brauchen Zeit zum Denken. Wenn alles nicht immer sofort sein muss, können mehr Menschen mitmachen. More time and consideration for better communication!
Cultural production has invented a special kind of frantic urgency, but nobody is going to die if we don’t answer an email at 10 pm at night.
“When things become urgent, slow down.” (Bayo Akomolafe)
Artist care means to chill out more. (Sometimes artist care just means to watch tv with your family.)
Artist care means to trust the artist.
Artists need supporters, not regulators.
Artist care is not only the responsibility of cultural institutions, but also of public administrations.
Artist care means to allow for diverse and inclusive ways to apply for funding, as well as inclusive ways for reporting.
In einer Zeit, in der viele Künstler*innen von Vertreibung betroffen sind und im Exil leben, gehört es zu Artist Care, bürokratische Unterstützung zu leisten: Aufenthaltsstatus, Versicherung, etc.. Kulturinstitutionen müssen hier in die Verantwortung gehen. (Aufenthaltsstatus kann zum Beispiel durch Bundesfreiwilligendienst oder durch Stipendien ermöglicht werden.)
Künstler*innen sollten ebenso leicht Visa erhalten wie Sportler*innen.
To care for artists is to care about art. Without artists no art.
Artist care is solidarity between artists, cultural institutions and society.
Statements are cute, but they are not enough. Do more! Keep fighting together.
(a collectively created discussion statement/ein kollektiv erstelltes Thesenpapier by: Malin Nagel, Dan Daw, Agata Tomsic, Ninia LaGrande, Borisav Matic, Sibylle Peters, Filip Pawlak, Tamari Chikvaidze, BIG, Esther Holland-Merten, Beata Anna Schmutz, Hannah Egenolf, Regina Guhl, Michael von zur Mühlen, Stefanie Frauwallner, Silke Stock, Lea Gerschwitz, Katja Grawinkel-Claassen, Jenny Malta, T. Bernauer …. and many other participants of the Artist Care Assembly at the 70th conference of the Dramaturgische Gesellschaft, Hamburg in February 2026.